Eine Garantie ist prinzipiell etwas Schönes, weil sie Sicherheit gibt und damit Ungewissheit eliminiert. Allerdings wird viel zu wenig darüber gesprochen, wie diese Garantie hergestellt wird. Bevor jetzt über Finanzprodukte gesprochen werden soll, kann zunächst ein Beispiel aus der realen Wirtschaft für Klarheit sorgen.
Wenn Du Dein Auto zur Inspektion bringst interessieren Dich vermutlich 2 Dinge. Zum einen, wie viel die Inspektion kosten soll und zum anderen, wie lange das Auto dazu in der Werkstatt sein muss. Nehmen wir an, die Inspektion kostet üblicherweise zwischen 200 und 300 € und dauert 4 Stunden. Wenn Du jetzt eine Garantie möchtest, dass Du das Auto nach 4 Stunden wiederhaben kannst und der Preis nicht über 300 € betragen soll, wird die Werkstatt dies vermutlich ablehnen. Denn wenn die Werkstatt es nicht schafft, müsste sie Dich vermutlich in irgendeiner Form entschädigen, weil sie die Garantie nicht erfüllen konnte.
Vermutlich aus dem Grund, dass es durchaus passieren kann, dass es in einem Fall leider länger dauert und auch etwas mehr als 300 € kostet. Die Werkstatt würde daher beispielsweise eine Garantie anbieten, dass es nicht länger als einen Tag dauert und nicht m ehr als 500 € kostet. Dies wiederum wäre wahrscheinlich keine Garantie mehr, für die Du Geld bezahlen würdest oder die einen Wert für Dich darstellt.
Eine Garantie der Dauer mit maximal 4 Stunden und Höchstkosten von 300 € würde sich die Werkstatt daher ein paar € kosten lassen, um über die Einnahmen aus allen Garantien die Fälle abzudecken, bei denen die Garantien greifen, welche also teurer werden oder länger dauern. Ebenso verhält es sich bei Finanzprodukten. Hier wird der Produktanbieter entweder über den Durchschnitt kalkulieren oder im Einzelfall das Produkt so strukturieren, dass die Garantie gegeben werden kann.
Beim Sparen in eine fondsgebundene Rentenversicherung ist es möglich, ein Produkt mit garantiertem Beitragserhalt zu wählen. Der Beitragserhalt kann beispielsweise sichergestellt werden, in dem ein Teil des Beitrags in einem festverzinslichen Wertpapier angelegt wird, so dass die Rückzahlung dieses Wertpapiers am Ende jeweils den eingezahlten Beitrag ergibt. Nur der verbleibende Anteil kann anschließend in einen Fonds investiert werden und damit Chancen auf Wertsteigerungen realisieren. Der Produktanbieter selbst geht demnach überhaupt kein Risiko mehr ein, die Kosten der Garantie schlagen sich für den Kunden direkt in einer niedrigeren Rendite nieder.
Garantiekosten sind nicht leicht zu sehen, denn es sind die Opportunitätskosten
Wie groß die Anteile der Garantie und der Rendite letztlich sind hängt von verschiedenen Faktoren ab, im Wesentlichen von dem Zins der Festanlage und dem Zeitraum der Anlage. Die Kosten werden an dieser Stelle der Einfachheit halber nicht betrachtet. Beträgt der Zins beispielsweise 5% und der Zeitraum 1 Jahr, so müssen etwas über 95% der Beiträge angelegt werden und etwas weniger als 5% können in Fonds investiert werden, sofern ein Totalverlust beim Fonds im Bereich des Möglichen liegt.
Beträgt der Zeitraum dagegen 10 Jahre, so müssen nur etwa 61,4% fest angelegt werden und ungefähr 38,6% stehen zur Anlage in Fonds zur Verfügung. Je länger der Zeitraum ist, umso größer kann der Anteil sein, der für eine Investition in Fonds genutzt werden kann. Beträgt der Zins wie aktuell jedoch nur circa 1%, so ist der maximale Anteil zur Investition bei 1-jähriger Laufzeit nur noch knapp 0,9% und selbst bei 10-jähriger Laufzeit nur 8,6%. Je geringer der Zins, umso geringer ist auch der Fondsanteil und dementsprechend gering sind die Chancen aus diesem Investment. Ohne Zins ist natürlich überhaupt kein Anteil mehr zum Investieren vorhanden.
Selbst wenn der Wert des Fonds in 10 Jahren um 80% an Wert gewinnen sollte, entsprechend einer durchschnittlichen Wertsteigerung von 6% pro Jahr, so wäre die Gesamtrendite bei einem Zins von 5% immerhin noch 5,4% pro Jahr. Dies ergibt sich aus dem Mittel der Rendite des Zinses von 5% und der Aktien von 6%. Bei einem Zins von 1% sinkt diese jedoch auf 1,6% pro Jahr, so dass die Überrendite von 0,6% nicht wirklich nach Chancen aussieht.
Die Frage ist also grundsätzlich, warum bei einem sicheren Zins von 5% in eine volatile Anlageklasse mit einer Erwartung von 6% investiert werden sollte. Bei einem Zins von 1% oder darunter ist aber klar, dass diese Entscheidung grundsätzlich getroffen werden muss. Bist Du bereit, über einen längeren Zeitraum ein Verlustrisiko von Vermögen in Kauf zu nehmen und dafür die Chance auf eine höhere Rendite zu bekommen, oder reicht Dir der niedrigere Zins, weil Du auf keinen Fall Verluste machen willst oder kannst.
Es ist verständlich, wenn ein Anleger nach Anlagemöglichkeiten sucht, welche ihm eine gute jährliche Rendite ermöglichen, aber gleichzeitig eine Garantie haben möchte, kein Geld zu verlieren. Der Berater muss daher allerdings transportieren, dass die beiden Aspekte zusammenhängen und dass das eine das jeweils andere beeinflusst. Insofern machen Garantieprodukte bei diesem Zins einfach keinen Sinn und jeder Anleger muss sich damit auseinander setzen, welches Risiko er mit welchem Teil seines Vermögens bereits ist einzugehen.
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