Zinserwartung festlegen ist Angst und Gier zugleich
Ein weiterer Hebel bei der Verrentung ist die Zinserwartung. Nicht nur, dass der Zins für einen mehr oder weniger weit in der Zukunft liegenden Zeitpunkt bestimmt werden muss, auch die Auswirkungen auf die Entnahme sind groß.
Als Beispiel dient wieder ein 25-jähriger Entnahmeplan, dessen Kapital mit 2% pro Jahr verzinst wird und welches bei einer monatlichen Entnahme von 0,43% aufgebraucht wird. Ein um 2% höherer Zins von 4% pro Jahr führt zu einer möglichen Entnahmesteigerung von fast 25% auf 0,53% pro Monat, ein 2% niedrigerer Zins von 0% wie aktuell zu einer um knapp 22% niedrigeren Entnahme von gut 0,33%.
Daraus folgt für die Zinserwartung, ebenso wie für die Lebenserwartung, dass eine konservative Planung zu bevorzugen ist und vor Überraschungen schützt. Die Spreizung kann mit folgenden Daten verdeutlicht werden. Anfang der 90’er Jahre lagen die Zinsen noch bei 7-8%, 15 Jahre später sind nur noch 2-3% zu erlösen. Weitere 10 Jahre später liegt der Zins bei 0% und dort wird er vermutlich auch noch mindestens 5 Jahre bleiben. Wer möchte da noch eine Prognose abgeben, wie die Zinsen in 15 Jahren sein werden?
Ein Erfahrungswert scheint zu sein, dass langfristig keinesfalls mit mehr als 5% gerechnet werden sollte, schon gar nicht, wenn der Zeitraum länger als 10 Jahre beträgt. Andererseits mutet dies heute sehr hoch an und reduziert den Sparbedarf kräftig. Tritt der Zins dann nicht so ein wie erwartet, müssen die Anstrengungen massiv erhöht werden, zumal dann auch weniger Zeit zur Verfügung steht. Die heutigen 0% sind dennoch vermutlich zu tief, zumal dadurch der Sparbetrag stark steigt. Eine konservative Mitte mit ungefähr 2% scheint daher ein gangbarer Weg zu sein, von dem der Weg zum realisierten Zins noch gangbar bleibt.
Alternativ ist bei langen Zeiträumen die Anlage in Aktien als Option zu prüfen. Hier können deutlich bessere Renditen als Zins angesetzt werden, jedoch besteht die Problematik des terminlichen Risikos. Der Kurs könnte zu einem bestimmten Zeitpunkt eingebrochen sein und damit Auszahlung soweit verteuern, dass der Zeitraum verkürzt wird. Alternativ könnten die Kurse aber genauso gut hoch sein und dadurch mehr Geld zur Verfügung stehen.
Ein Puffer, der das Risiko geringerer Kurse reduziert ist möglich, muss aber zusätzlich angespart werden. Beispielsweise könnte die Entnahme für 30 Jahre geplant werden, reduziert sich der Zeitraum aufgrund gesunkener Kurse um 5 Jahre stünden immer noch die 25 ursprünglich geplanten zur Verfügung. Bei einer angenommenen Rendite von 6% liegt damit bei einer Entnahme von 0,61% der Vorteil immer noch deutlich bei Aktien, statt 0,43% mit sicherer Verzinsung in Höhe von 2%.
Kapitalbedarf mit Inflationserwartung bestimmen
Um sich beim Kapitalbedarf die Altersvorsorge nicht schön zu rechnen, empfiehlt sich, zunächst den Zeitraum des Versorgungsbedarfs zu bestimmen. Im nächsten Schritt ist der langfristige Zinssatz zu wählen, mit dem kalkuliert werden soll. Erst dann sollte mit Hilfe eines geeigneten Werkzeugs das benötigte Kapital bestimmt werden. Es kann durchaus sein, dass der Versorgungsbedarf erschreckend hoch ist, oder auch erfreulich niedrig. Auf jeden Fall steht er erst einmal schwarz auf weiß fest und anschließend kann mit einer systematischen Planung zur Erreichung des Kapitals im Alter begonnen werden.
Ein Angestellter zum Beispiel kalkuliert bei einem Renteneintritt mit 65 Jahren und einer Lebenserwartung von keinesfalls mehr als 25 Jahren, in denen sein Kapital vollständig verzehrt werden soll. Sein Versorgungsbedarf beträgt 500 € und er nimmt an, langfristig auf jeden Fall 2% erwirtschaften zu können. Daraus ergibt sich, dass er in seinem 65. Lebensjahr über 117.142 € liquides Kapital verfügen muss, wenn die monatliche Auszahlung 0,43% beträgt. Soll dagegen die Rente jährlich um 1% steigen, um wenigstens teilweise die Inflation auszugleichen, steigt der Kapitalbedarf auf 132.304 € an, die prozentuale monatliche Auszahlung sinkt im ersten Jahr auf 0,38%.
Mit vollem Inflationsausgleich in Höhe von 2% pro Jahr, die für den Zeitraum der letzten 50 Jahre geeigneter wäre, steigt der Kapitalbedarf bereits auf 150.000 € an, entsprechend einer Auszahlung in Höhe von 0,33%. Wie leicht oder schwer es ist, dieses Kapital zu besitzen, hängt natürlich wesentlich vom zur Verfügung stehenden Ansparzeitraum ab und wird anschließend näher betrachtet.
Zuletzt nur noch der Hinweis, dass der Kapitalbedarf zum Rentenzeitpunkt natürlich ebenfalls noch mit der Inflationsrate abgezinst werden muss. Werden also die 117.142 € in 10 Jahren bei einer Inflation von 1% benötigt, so erhöht sich der Betrag auf 129.397 €. Bei gleicher Inflation in 20 Jahren wären es jedoch schon 142.935 €, bei 2% Inflation sogar 174.066 €. Ein 37-jähriger mit noch 30 Jahren bis zur Rente sollte 157.889 € ansparen, um bei 1% Inflation 25 Jahre lang 500 € monatlich entnehmen zu können. Sogar 178.326, wenn es mit einer Steigerungsrate von ebenfalls 1% pro Jahr erfolgen soll.
Vergleich mit Sofortrenten ist anzustellen
An dieser Stelle wäre es jedoch fahrlässig, das von Versicherungen angebotene Produkt einer Sofortrente nicht zu betrachten. Bei einer Sofortrente wird ein gewünschter Betrag in eine Versicherung eingezahlt und dafür erhält die versicherte Person eine monatliche Rente. Dabei wird der versicherten Person eine monatliche Rente vertraglich garantiert, die jährlich um 1% gesteigert werden. Die Steigerung variiert je nach Versicherungsgesellschaft und Vertrag und kann sogar in einigen Fällen justiert werden.
Gelingt es der Versicherung aus der Kapitalanlage Überschüsse zu erwirtschaften, so wird die Rente um Überschussanteile gesteigert. Damit das eingezahlte Geld bei plötzlichem Tod jedoch nicht sofort verloren ist, kann eine beliebige Anzahl an Jahresrenten als Todesfallleistung vereinbart werden. Die Anzahl ist jedoch durch die durchschnittliche zu erwartende Lebenserwartung begrenzt. Werden 10 Jahresrenten als Todesfallleistung vereinbart und die versicherte Person stirbt nach 4 Jahren Rentenzahlung, so erhält die begünstigte Person noch 6 Jahresrenten ausbezahlt. Alternativ besteht auch die Möglichkeit, eine Sofortrente mit Beitragsrückzahlung im Todesfall abzuschließen. Nach 4 Jahren betrüge die Rückzahlung beispielsweise ungefähr 82% des ursprünglich eingezahlten Betrages, dies variiert allerdings von Gesellschaft und Alter erheblich.
Es gilt, wie meistens, Vorteile und Nachteile gegeneinander abzuwägen. Der meines Erachtens größte Vorteil ist die Abwälzung des Risikos der Lebenserwartung auf die Versicherung. Die Rente wird gezahlt, unabhängig davon, wie lange die versicherte Person lebt. Ein weiterer Vorteil war der garantierte Mindestzins, der heute jedoch nur noch bei unter 1% liegt. Dies ist jedoch nicht in Stein gemeißelt und er wird wohl weiter fallen, ebenso wie die Überschüsse, jedoch werden die Kosten auf jeden Fall vorher abgezogen. Als Nachteile sind insbesondere die hohen Kosten sowie die unsichere und sinkende Überschussbeteiligung zu nennen.
Bei einer Sofortrente vom Marktführer Allianz mit Rückzahlung unverbrauchter Beiträge im Todesfall liegt die garantierte monatliche Rente bei 0,30% des Kapitals, bei heutigen Überschussanteilen läge die Rente bei 0,40%. Der Unterschied zu den 0,43% der Eigenanlage bei einem Zins in Höhe von 2% ist zu vernachlässigen, wobei die Allianz von einer durchschnittlichen Lebenserwartung für Männer von 20 Jahren ausgeht. Bei Frauen wären es exakt die 25 Jahre, aufgrund der geschlechtlichen Gleichstellung auch die gleichen Beträge. Für Frauen wäre es daher ein interessantes Geschäft, weil sie für ein wenig Rendite das Risiko der Langlebigkeit eliminieren. Männer verzichten schon auf deutlich mehr Rendite und hätten nach 20 Jahren noch fast 25% des Kapitals übrig.
Der interessierte Laie hat damit die Möglichkeit, Angebote für Auszahlpläne und Sofortrenten miteinander vergleichen zu können, die Beratung von einem Fachmann mit aktuellen Zahlen für die individuelle Situation ist jedoch unerlässlich. Es wird jedoch offensichtlich, wie groß die Spannbreite der Ergebnisse ist und welchen Lohn Du für Deinen Einsatz und Deine Arbeit damit erhalten kannst.
Das Entsparen aus Aktien ist bei weitem schwerer als Sparen!, lohnt aber zu lesen.
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