Es kommt hin und wieder vor, dass sich jemand etwas Besonderes kauft, um sich zu belohnen. Auch ich habe das schon getan. Die Frage, die ich mir mittlerweile dazu stelle, ist jedoch, ob der Gegenstand anschließend mir gehört hat, oder ich dem Gegenstand. Anders ausgedrückt, wie das Verhältnis zwischen Freude und Verpflichtung konkret aussah. Ich möchte meine Gedanken an einem Beispiel konkretisieren.
Beginnen wir mit einem Auto, einem Gebrauchsgegenstand, welches ich zur Fortbewegung und zum Transport benutzen kann. Ich kann mir jedoch ebenso ein Auto als Zweitwagen kaufen, um damit Spritztouren zu unternehmen und Spaß zu haben, sei es ein Cabrio oder ein Sportwagen. Unabhängig davon, wie oft ich ihn benutze, muss ich jedoch regelmäßig zum TÜV, Reifenwechsel oder Service machen lassen und hoffentlich entlädt sich nicht die Batterie, wenn er zu wenig gefahren wird. Gewaschen sollte er außerdem auch hin und wieder werden.
Ich brauche also nicht nur mehr Platz, um ihn abzustellen, muss Steuern und Versicherung bezahlen, sondern mich außerdem regelmäßig um den Wagen kümmern. Selbst wenn ich eigentlich Spaß am Fahren damit habe, wenn ich es einmal länger nicht geschafft habe, bekomme ich auch noch ein schlechtes Gewissen, dass er nur rumsteht. Alles gut und schön, aber irgendwie habe ich für einen Zweitwagen einfach nicht genügend Zeit. Gleiches gilt auch für Motorräder, Fahrräder oder ähnliches.
Für Kleidung und Accessoires gilt im Prinzip das gleiche. Ich brauche zunächst einmal Platz, um die Gegenstände aufzubewahren und muss ebenso darum kümmern. Wenn ich Kleidung trage und aufbrauche entspricht dies dem Verwendungszweck und es dann zu ersetzen ist legitim. Aber wie viel ist noch so gut wie neu und einfach aus der Mode oder entspricht nicht mehr meinem Geschmack? Wegschmeißen oder aufheben, schließlich kommt alles wieder und Platz kostet doch nichts.
Bei Uhren sollte jeder mehr als eine haben, schließlich ist spätestens bei einem notwendigen Armbandwechsel ansonsten keine mehr zur Hand. Die Batterie kann ausgehen und für Automatik-Träger, welche die Uhr wechseln, bedingt dies dann gleich noch einen Uhrenbeweger. Aber ebenso wie Schmuck, der ab und an gewartet werden muss, handelt es sich eben um Statussymbole, die Aufmerksamkeit erfordern.
Bei heutiger Technik ist es in den wenigsten Fällen heute noch notwendig, diesen großartige Pflege zukommen zu lassen müssen. Hier ist vielmehr die Zeitspanne interessant, in der sie veralten und dies geht immer schneller. Ein Flachbildfernseher war im Vergleich zu den alten Röhrenfernsehern schon ein Sprung, aber seitdem sollte er mindestens hochauflösendes Fernsehen beherrschen und Internet Anschluss haben, damit ich alle wichtigen Apps aufspielen und nutzen kann.
Je mehr ich also an Technik im Haus habe, umso mehr muss ich regelmäßig austauschen. Gleiches gilt für mein Internet-Radio, welches zwar noch nicht kaputt ist, aber leider auch keine Streaming-Dienste beherrscht. Mein Fitness-Tracker misst zwar immer noch fehlerfrei meine Schritte, allerdings gibt es bessere Pulsmesser und die Schlafüberwachung lässt zu wünschen übrig. Am schlimmsten ist jedoch, dass ich noch nicht einmal mehr weiß, was ich wirklich will, denn schon nach einer kurzen Information im Internet gibt es mindestens 10 weitere Funktionen, die durchaus Sinn machen.
An dieser Stelle möchte ich unterbrechen, weil es sich ewig fortsetzen lässt. Weniger ist eben doch manchmal mehr und jeder muss selbst das ideale Gleichgewicht in seinem Leben finden. Es kann durchaus Dinge geben, auf die Du verzichtest, wodurch Du nicht nur Geld sparst, sondern auch Zeit und zur großen Überraschung geht es Dir noch nicht einmal schlechter. Nicht nur konsumieren, lieber mal produzieren!
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