Es gibt unzählige Arten von Fonds, aber ich möchte an dieser Stelle nur zwei Gruppen von Fonds betrachten. Die eine Gruppe beinhaltet Fonds, die sich mehr oder weniger an einen Index als Benchmark anlehnen, unabhängig davon, ob es sich um einen oder mehrere zusammengesetzte Indizes handelt. Das eine kann ein reiner Indexfonds auf den DAX, den S&P 500 oder den REX sein oder ein gemischter Fonds mit 30% und 70% Aktien, sofern der Benchmark dann eben 30% ein Renten- und 70% ein Aktienindex ist. Die andere Gruppe beinhaltet Fonds, welche zwar auf lange Sicht betrachtet ebenso ihren Benchmark schlagen wollen, aber dies nicht unbedingt in jedem einzelnen Jahr anstreben.
Wird nun die Performance eines Fonds in der Vergangenheit gegen seinen Benchmark betrachtet, so kommt dem Ergebnis eine gewisse Bedeutung zu. Es ist klar zu entscheiden, ob der Fonds in der Vergangenheit gut oder schlecht war beziehungsweise ob es sich gelohnt hat, die Gebühren für aktives Management des Fonds zu bezahlen oder nicht. Hat der Fonds es nach Gebühren nicht geschafft mehr Rendite als der Benchmark zu erzielen, so wäre eine Investition in einen passiven Fonds mit minimalen Gebühren vorteilhaft gewesen. Die Frage ist nun, welche Aussagekraft für die Zukunft der Vergangenheit entnommen werden kann?
Handelt es sich um einen Fonds der ersten Gruppe, so wird die Wertentwicklung sich nicht weit vom Benchmark entfernen, mal abgesehen von der einen oder anderen Gewichtung. Das lässt den Schluss zu, dass auch in der Zukunft keine andere Entwicklung zu erwarten ist, weil die Kosten ein wesentlich höheres Gewicht bei der Berechnung der Rendite haben als die unterschiedliche Gewichtung zwischen Benchmark und Fonds. Unabhängig von der tatsächlich absolut erzielten Rendite wird ein solch aktiver Fonds auf lange Sicht keine Chance haben, ein passives Investment zu schlagen, weil die Kosten dafür schlicht zu hoch sind.
Bei einem Fonds der zweiten Gruppe jedoch stellt sich die Sache anders dar. Der Fonds lehnt sich nach unserer Definition an keinen Index als Benchmark an, weshalb seine Wertentwicklung im Wesentlichen unabhängig von der des Benchmarks ist. Allerdings ist es mit dieser Unabhängigkeit nicht unbedingt so weit her, weil eine generell gute Stimmung am Aktienmarkt alle Aktien steigen und eine schlechte Stimmung alle Aktien sinken lässt. Dennoch wird die Abweichung deutlich stärker sein als bei den Fonds der ersten Gruppe.
Welche Aussage kommt jedoch einem Ergebnis der Vergangenheit zu, wenn der Fonds über mehrere Jahre besser oder schlechter abgeschnitten hat als der Benchmark? Dies kann verschiedene Gründe haben, exemplarisch wähle ich jedoch zwei aus, welche sich in der Bewertung deutlich unterscheiden. Im ersten Fall war der Fonds in den Branchen oder Indizes übergewichtet, die sich in der Vergangenheit im Index gut entwickelt haben oder er war untergewichtet in den Branchen oder Indizes, deren Performance schlecht war. Der Fonds wird sich in Zukunft also gut entwickeln, wenn der Trend anhält und schlecht, wenn der Trend bricht. Genau umgekehrt verhält es sich mit einem Fonds des zweiten Falls.
Damit lässt sich die Vorhersagekraft des Ergebnisses auf den Punkt bringen, dass es von der Stärke des Trends abhängt. Wenn ein Zeitraum von 5 Jahren betrachtet wird, so profitiert ein Anleger nur dann, wenn der Trend deutlich länger als 5 Jahre anhält. Bei einer empfohlenen Anlagedauer am Aktienmarkt von mindestens 10 Jahren oder länger müsste der Trend somit mindestens 15 Jahre anhalten, damit der Anleger von der Aussage profitiert. So viele Trends dieser länge waren jedoch selten und höchstens in der Hausse von 1982 bis 2000 hätten frühe Investoren insgesamt davon profitieren können.
Ansonsten hält der Trend eben nicht an und es kommt zu einer Korrektur. In dieser werden die Branchen oder Indizes am meisten unter die Räder kommen, die sich in der Vergangenheit am besten entwickelt haben. Das ist insofern unglücklich, weil dann die Vergangenheit kein guter Ratgeber für die Zukunft ist, genaugenommen sogar ein Kontraindikator. Die Fonds, welche gut gelaufen sind, werden nach dem Trendabbruch schlecht laufen und umgekehrt. Eine Bewertung der Vergangenheit ist aufgrund der Unvorhersehbarkeit der Trenddauern damit nicht zu empfehlen.
Besonders schlimm ist es nun, wenn eine Investition aufgrund der Vergangenheit erfolgt und es in den Jahren darauf zu einem Trendabbruch kommt. Wenn der Zeitraum davor zu kurz war, so wird nicht nur das Ergebnis der Investition negativ sein, gleichzeitig wird die Vergangenheit zu diesem späteren Zeitpunkt nicht mehr gut aussehen. Wird nun zu diesem Zeitpunkt umgeschichtet, beispielsweise in einen anderen Fonds mit einer zu diesem Zeitpunkt dann besseren Wertentwicklung der jüngeren Vergangenheit, dann werden Verluste eingeloggt und gleichzeitig der Fehler der vorherigen Investition wiederholt.
Denn dieser Fonds hat eben eine andere Gewichtung der Branchen oder Indizes, welche eben in dem Trend der jüngeren Vergangenheit vorteilhaft war, während es davor von Nachteil war. Die Wahrscheinlichkeit nur erneut das Ende eines Trends erwischt zu haben und in den anschließenden Kursrückgang zu geraten ist damit groß. Für die Masse mit einem Einstieg im Jahr 1998 oder später waren die Kursgewinne in Technologiefonds bis zum Frühjahr 2000 bestimmt grandios, der anschließende Absturz allerdings hat in den meistens Fällen jedoch deutlich mehr vernichtet als vorher gewonnen wurde.
Welcher Wert sollte also der Vergangenheit beigemessen werden und welche Aussagekraft kommt den 5 Sternen von Morningstar zu, welche sie für aus ihrer Sicht hervorragende Fonds nach 5 Jahren am Markt vergeben? Meines Erachtens wird die Aussagekraft aus den genannten Gründen deutlich überschätzt. Daher bleiben nur zwei Alternativen übrig: Entweder einfach passiv und günstig in die gewünschten Indexfonds investieren oder aktiv und mühselig die Fonds suchen, bei welchen das aktive Management die Kosten dafür wert ist.
Ein gutes Indiz dafür sind Fonds, welche für zusätzliche Mittel geschlossen sind, weil es an geeigneten Anlagemöglichkeiten fehlt. Ich gebe zu, aktuell hilft das dann leider auch nicht bei der Anlage, solange der aktuelle Trend anhält. Wenn der Trend abbricht, beispielsweise auch durch eine Korrektur, werden diese Fonds öffnen und es wäre ein guter Zeitpunkt zu investieren. Aber davor sind es auch die anderen Fonds nicht. Höchstens wenn es noch ein paar Jahre so weiter geht wie bisher, aber nach den letzten 20 Jahren ist dies vermutlich eher unwahrscheinlich.
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